Neuer Bahnhof fürs Auetal eine „Schnapsidee“

BI Auetal spricht von einem Blendwerk

Neuer Bahnhof fürs Auetal eine „Schnapsidee“

Quelle Thomas Wünsche für SZLZ.de vom 12.08.2020
Quelle Schaumburger Nachrichten vom 12.08.2020
Quelle Schaumburger Wochenblatt vom 15.08.2020

AUETAL. Nachdem in jüngster Zeit einige Male der Vorschlag eines eigenen Bahnhofes für die Region Auetal an der möglichen Neubau-Trasse Hannover – Bielefeld gemacht worden ist (wir berichteten), hat sich jetzt die Bürgerinitiative (BI) Auetal in einer Pressemitteilung zu Wort gemeldet. Der Tenor des von Vorstandsmitgliedern der BI zusammen mit dem BI-Mitglied, Bahnfreund und -kenner Wolfgang Quabs verfassten Schreibens: „Für die Befürworter einer Neubaustrecke mag dies sicher ein Pro-Argument sein, für uns als BI, Bürgerinnen und Bürger, Steuerzahlende und auch als Bahn-Benutzende allerhöchstens eine Schnapsidee.“

Die BI Auetal, so heißt es in der Mitteilung, sei sehr wohl generell für die Stärkung des Schienenverkehrs in Deutschland, „aber bei genauer Betrachtung der Situation vor Ort stellen wir fest, dass das Auetal keinen eigenen, neuen Bahnhof benötigt“. Begründung: Der Verbrauch von Steuergeldern für den Neubau eines weiteren Bahnhofes sowie dessen Erhaltungs- und Betriebskosten und außerdem der dann noch erweiterte Flächenverbrauch trügen wenig zur Stärkung der vorhandenen Infrastruktur bei. „Ein weiterer Bahnhof“, betont die BI, „macht keinen Sinn, weil sich in unmittelbarer Nähe zum Auetal bereits sieben Bahnhöfe an drei verschiedenen Bahnstrecken befinden.“ Die Bürgerinitiative nennt Haste, Lindhorst, Stadthagen, Kirchhorsten, Bückeburg (Strecke Hannover – Minden), Rinteln (Löhne – Hameln – Hildesheim/nicht elektrifiziert) und Bad Nenndorf (Haste – Weetzen – Hannover/Hameln).

Foto: Wolfgang Quabs, aktives Mitglied der BI Auetal, Bahnfreund und -kenner.

Was der Region allerdings fehle, sei ein „intelligent organisierter Öffentlicher Personen-Nahverkehr (ÖPNV)“, der zukunftsorientiert die Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung in jeder Beziehung abdecke. Zu diesem Zweck müsse die Region Schaumburg durch ein großflächiges Netz an Busverbindungen neu strukturiert und in Anlehnung zum Beispiel an den NRW-Takt (Nordrhein-Westfalen) durch einen völlig neu auszuarbeitenden „Niedersachsen-Takt“ untereinander verbunden werden, fordert die BI Auetal. Schnittpunkte des Bus-Betriebes seien die schienengebundenen Bahnhöfe, auf der Fläche müsse es Haltestellen und Knoten (Bus-Bahnhöfe) zum Ein- und Umsteigen geben. Die Anbindungen der Stadtzentren, der Gewerbegebiete und der umliegenden kleinen Gemeinden müssten deutlich verbessert werden. Ob es sinnvoll sei, den Schüler-Verkehr dort mit einzubeziehen oder ihn separat aufzuziehen, sollte gesondert geklärt werden.

„Wir, die Bürgerinnen und Bürger der BI Auetal,“, heißt es in der Mitteilung weiter, „lehnen es ab, die von der Bundesregierung vollmundig angekündigte Verkehrswende in erster Linie nur auf den Fernverkehr zu beziehen.“ Das größte Verkehrsaufkommen ergebe sich nicht im Fernverkehr, sondern im Regionalverkehr: Laut Veröffentlichung der DB AG nutzten 2019 rund 151 Millionen Reisende den Fernverkehr, jedoch etwa zwei Milliarden Menschen den Nahverkehr. Allein schon deshalb müssten bei der Verteilung der finanziellen Mittel andere Prioritäten gesetzt werden, als es bisher der Fall gewesen sei. „Teure Prestige-Strecken mit hoher Landfraßrate und hohem Stromverbrauch beim Betrieb dürfen nicht mehr genehmigt werden; der Landversiegelung muss Einhalt geboten, die Höchstgeschwindigkeit muss nach oben gedeckelt werden (Vorschlag 230 km/h)“, so die BI Auetal. Sparsamkeit, das heißt, der Vorzug von Ausbaustrecken und nicht der Bau von Neubaustrecken, müsse ab sofort „Grundgesetz-Charakter erhalten“.

Die Corona-Krise habe in sämtliche Haushalte dieses Landes Lücken gerissen, die zu schließen Jahrzehnte dauern werde. Die Umsetzung der Verkehrswende werde die Gesellschaft weitere, unzählige Milliarden kosten. Deshalb gehörten „unsinnige Projekte wie der Neubau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke sofort in den Papierkorb“. Dann erübrigten sich auch die Versuche, die Bevölkerung mit „Bunte-Perlen-Geschenken wie zum Beispiel einem Bahnhof im Auetal, zu beruhigen oder sogar zu verblenden“, heißt es in der Mitteilung abschließend.

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