„Bückeburg darf sich nicht entspannt zurücklehnen“


Bürgerinitiative Bigtab tritt auch nach dem Berliner Schienengipfel für einen trassennahen Bahnausbau ein

„Bückeburg darf sich nicht entspannt zurücklehnen“

Quelle Johannes Pietsch für SZLZ.de vom 03.08.2020

BÜCKEBURG. Wie geht es weiter mit den heimischen Bürgerinitiativen, die sich für einen trassennahen Ausbau der Bahn starkmachen, nachdem sich das Bundesverkehrsministerium mit dem am 30. Juni veröffentlichten finalen Zielfahrplan für den Deutschland-Takt offenbar endgültig für die Variante einer neuen Schnellfahrstrecke für 300 km/h von Bielefeld nach Hannover entschieden zu haben scheint? Keine einfache Situation für die schwerpunktmäßig in Bückeburg, Minden und Porta Westfalica aktive Bigtab, und das gleich aus zwei Gründen: Zum einen sind – bedingt durch die Corona-Pandemie – große Kundgebungen wie vor einem Jahr anlässlich der RegioPort-Einweihung nicht durchführbar. Zum Zweiten ist gerade im Bereich von Bückeburg ein gewisses Nachlassen der Mobilisierung zu verspüren, nachdem klar zu sein scheint, dass die 2016 veröffentlichte Neubau-Planung durch die Bückeburger Niederung und den Jakobsberg bei Porta vom Tisch ist.

Die Hände in den Schoss legen wollen Bigtab-Chef Thomas Rippke und seine Mitstreiter jedoch auf keinen Fall. Unverändert werde man sich für das erklärte Ziel, den trassennahen Ausbau der bestehenden Bahnstrecke Hannover–Minden, starkmachen. Als Kommunikationskanal dient dabei neben den gängigen digitalen Medien das Fernsehen: Gemeinsam mit einem Team des NDR–Fernsehens aus Hamburg flog Rippke jetzt in einer Cessna vom Flughafen Vennebeck die Schaumburger Landstriche ab, die mit größter Wahrscheinlichkeit von einem Bahn-Neubau betroffen sein würden, insbesondere das Auetal.

Anschließend drehte das NDR-Team auf dem Bückeburger Marktplatz, wo die Bigtab den verkaufsoffenen Sonntag dazu nutzte, um an einem Info-Stand vor dem Schlosstor mit Passanten ins Gespräch zu kommen und über den aktuellen Sachstand beim Thema Bahnausbau zu informieren – natürlich stets unter Einhaltung der geltenden Bestimmungen zum Corona-Schutz.

Bückeburg könne und dürfe sich auch nach dem Schienengipfel nicht beruhigt zurücklehnen, wurde Thomas Rippke dabei nicht müde zu wiederholen. Zwar sei die 2016 befürchtete Neubautrasse durch die Bückeburger Niederung inzwischen nicht mehr wahrscheinlich, da sie die Vorgaben des Zielfahrplans für den Deutschland-Takt nicht erfülle und keinen 300 Stundenkilometer schnellen Bahnverkehr zulasse. Doch nach wie vor möglich sei eine Streckenführung über Stadthagen: Diese Variante würde Bückeburg östlich streifen und dann durch einen Tunnel unter dem Harrl hindurch Richtung Süden nach Bielefeld führen. Aber auch einer Autobahn-nahen Neubaustrecke durch das Auetal kann Rippke nichts abgewinnen: „Für uns kommt weiterhin nur der trassennahe Ausbau in Frage, da nur er Menschen und Natur so weit wie möglich schont.“

Ausdrücklich begrüßt der Bigtab-Chef den vom Bundesverkehrsministerium noch für dieses Jahr angekündigten Bürgerdialog, um diese Positionen zu vertreten. Doch wie will die Bigtab mit der Tatsache umgehen, dass der von ihr befürwortete trassennahe Ausbau die vom Ministerium als notwendig erachtete Fahrzeiteinsparung von 17 Minuten zwischen Bielefeld und Hannover nicht erbringen kann? Thomas Rippke sieht darin keinen Widerspruch: „Niemand hat jemals bewiesen, dass für den Deutschland-Takt zwischen Hannover und Bielefeld zwingend 30 Minuten erforderlich sind. Das geht auch mit ganz anderen Taktzeiten.“ Die Bigtab sei daher auch keinesfalls Gegner eines integralen Taktfahrplans, im Gegenteil: „Wir begrüßen die Einführung des Deutschland-Takts ausdrücklich, nur eben nicht mit den derzeit geforderten Kantenfahrzeiten.“

Zu sehen sein werden die in der Luft und in Bückeburg entstandenen Aufnahmen am Montag, 14. September, um 22 Uhr im NDR–Fernsehen im Rahmen der Sendung „45 Min – Die Bahn mobil oder marode?“



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