„Die einzig machbare Strecke“



Bahnexperte Rainer Engel sieht keine Alternative zur Hochgeschwindigkeitstrasse durchs Auetal

„Die einzig machbare Strecke“

Die ICE-Schnellbahnstrecke durch das Auetal wird kommen, da ist sich Bahnexperte Rainer Engel sicher. Den Auetalern rät er, alles Machbare herauszuholen – unter Umständen auch einen Regionalbahnhof.

Quelle Kerstin Lange Schaumburger Zeitung vom 22.07.2020.

„Die aus geografischer Sicht einzig machbare Strecke verläuft durch das Auetal.“
Rainer Engel Bahnexperte der Initiative Deutschland-Takt

REHREN. „Wir laufen seit einem Jahr hinter Informationen zur ICE-Schnellbahntrasse her und bekommen keine Antworten auf unsere Fragen. Nun hoffen wir darauf, dass Sie Informationen haben, die uns entgangen sind, auch weil das Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur so sperrig ist“, sagte Claudia Grimm vom Vorstand der Bürgerinitiative Auetal (BI) und begrüßte den Bahnexperten Rainer Engel von der Initiative Deutschland-Takt.

Aufgrund der Corona-Pandemie konnten nur 14 Personen seinen Ausführungen folgen, darunter Bürgermeister Heinz Kraschewski, CDU-Ratsherr Jörn Lohmann und die SPD-Bundestagsabgeordnete Marja-Liisa Völlers.

„Mein Anliegen ist es aufzuklären, sachlich zu diskutieren und Hintergrund-Informationen zu vermitteln“, sagte Engel.

Er erläuterte das Gesamtkonzept Deutschland-Takt, erklärte die Abläufe und stellte fest, dass die geplante Neubaustrecke zwischen Bielefeld und Hannover kein isoliertes Prestigeobjekt sei. Um den Deutschland-Takt einhalten zu können, müssten auf der Strecke zwar nicht unbedingt die errechneten 31 Minuten Fahrzeit erreicht werden, aber 36 Minuten. „Ich habe durch verschiedene Prüfungen festgestellt, dass 36 Minuten nicht überschritten werden dürfen. Das würde wichtige Anschlussknoten sprengen“, so Engel.

Zwar wisse auch er noch nicht, wo die Schnellbahnstrecke verlaufen wird, stellte aber fest: „Die aus geografischer Sicht einzig machbare Strecke verläuft durch das Auetal. Ich habe keine andere mögliche Trasse gefunden. Auch nicht mit Blick auf die quasi gefundenen fünf Minuten mehr Zeit.“

Das Auetal sei dünn besiedelt und hinter den Beschlüssen der Bahn und der Politik würden rund 22 Millionen Bürger stehen, die von einer Fahrzeitverkürzung profitieren. Den Auetalern bliebe nur, das für sie Beste aus der Situation herauszuholen.

Unter anderem sprach Engel einen Regionalbahnhof für die Gemeinde an.

Mehr als 20 Millionen potentielle Bahnkunden aus dem Rhein- und Ruhrgebiet sowie Berlin stellen ein politisches Schwergewicht dar, dem der Landkreis Schaumburg und speziell das Auetal wenig entgegensetzen kann. So lässt sich nach Einschätzung von Bürgermeister Heinz Kraschewski die Sichtweise des bekennenden Bahnlobbyisten Engel auf den Punkt bringen.

Wenn es nach dessen Willen gehe, scheine der Neubau der ICE-Hochgeschwindigkeitstrasse durch das Auetal als Konsequenz der alternativlosen Realisierung des Deutschland-Takts schon sehr wahrscheinlich zu sein.

„Die Frage ist nicht mehr, ob die Neubautrasse kommt, sondern eher wann und wo genau“, so Kraschewski.

Engel habe aus seiner bedingungslosen Unterstützung des Deutschland-Takts überhaupt keinen Hehl gemacht. Sich wehren sei nach seinen Worten vor dem Hintergrund einer überwältigenden politischen Zustimmung für das Projekt Deutschland-Takt zwecklos und die Forderung nach einem trassennahen Ausbau entlang der Bestandsstrecke nicht zielführend, weil dort aufgrund der Kurvenradien die notwendige Geschwindigkeit von 300 km/h nicht erreicht werden kann.

„Ob Herr Engel alle ihm zugänglichen Informationen auf den Tisch gelegt hat, dürfte ungewiss sein. Zumindest hat er bei aller freundlichen Offenheit immer wieder betont, dass auch ihm belastbare Informationen zum geplanten Streckenverlauf fehlen würden“, so der Bürgermeister.

Andererseits war Engel aber auch bereit, über konkrete Trassenverläufe zu diskutieren, wobei auch für ihn eine Streckenführung durch die Talsohle des Auetals als der absolute Super-GAU erscheint. „Dann gehe ich mit Ihnen auf die Bäume“, sagte Engel dazu.

Aber auch die von Engel klar favorisierte Streckenführung entlang der A 2 hat es für die Auetaler in sich. Sollte der Güterverkehr auf dieser Trasse tatsächlich keine Rolle spielen, wären größere Steigungen technisch zulässig mit der Folge, dass die Planer auf eine großzügige Untertunnelung aus Kostengründen verzichten könnten.

„Alles keine guten Aussichten für uns“, so der Bürgermeister.

Der Rat von Engel: „Ich denke nicht, dass Sie die Neubaustrecke verhindern können, aber versuchen Sie alles Mögliche herauszuholen. Wenn Sie die Alternative finden, die die Zielvorgaben einhält, können und müssen Sie diese in die Diskussion einbringen. Der Aufwand ist aber hoch, mit einem Strich auf der Landkarte sind Sie der Fachkompetenz der Deutschen Bahn hoffnungslos unterlegen.“

Dabei müssten die Planungsparameter beachtet werden, geologische Hindernisse, der ökologische Vergleich – also Naturschutzgebiete – und die Lärmbetroffenheit.

Auch eine Klage wegen Umweltschutz nach dem Aarhus-Übereinkommen sei unter Umständen möglich, aber nicht vielversprechend. Ratsherr Jörn Lohmann hatte die gemeindliche Klagemöglichkeit gegen das Projekt bereits mehrfach ins Spiel gebrachte.

„Wir sollten uns hier an den Landkreis Schaumburg halten, der für die technische und juristische Begleitung der Trassendiskussion Mittel im sechsstelligen Bereich in den Kreishaushalt eingestellt hat. Insoweit hat sich die Kooperation mit dem Landkreis auch bei der Suedlink-Problematik absolut bewährt. Ein Alleingang des Auetals ist meines Erachtens fehl am Platze und würde dem von allen Schaumburger Kommunen erklärten Willen zum gemeinsamen Handeln zuwiderlaufen“, so Kraschewski.

Mehr zum Thema lesen Sie in den nächsten Tagen an dieser Stelle.

Siehe auch Schaumburger Nachrichten vom 22.07.2020



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