Keine Entwarnung für das Auetal



Für den Ausbau mit 300 km/h – na klar, Herr Althusmann!


Keine Entwarnung für das Auetal

Auetaler Bürgermeister und BI-Vorsitzender fürchten das Schlimmste für das Auetal, nämlich die Zerstörung des Tals durch eine ICE-Neubautrasse. Ein Gespräch mit Minister Althusmann änderte nichts an diesen Befürchtungen – im Gegenteil.

Quelle/Foto Kerstin Lange Schaumburger Zeitung vom 08.07.2020

AUETAL. Mitglieder der Bürgerinitiative Auetal hatten am späten Dienstagnachmittag mit zahlreichen riesigen Plakaten auf dem Bückeberg auf den niedersächsischen Verkehrsminister Dr. Bernd Althusmann (CDU) gewartet. Sie trotzten der Kälte und dem Regen, denn sie wollten dem Minister deutlich machen, dass man im Auetal klar gegen die Neubautrasse ist und die Ausbauvariante wünscht.

„Außerdem haben wir eine drängende Frage, die wir stellen möchten. Ist es fünf vor zwölf für das Auetal?“, sagte Claudia Grimm, zweite Vorsitzende der BI. Doch Althusmann ließ die BI im Regen stehen. Aus zeitlichen Gründen kam er nicht zum geplanten Fototermin, sondern fuhr weiter zum nächsten Termin.

Zuvor hatte Althusmann im Pressegespräch die „sehr angenehme Atmosphäre“ gelobt und festgestellt, dass man im Land und der Region an einem Strang ziehe. Er sei überzeugt, dass die Ausbaulösung im Einklang mit dem Deutschlandtakt stehe (wir berichteten).

Zwar war der Auetaler Bürgermeister Heinz Kraschewski grundsätzlich mit den Aussagen von Althusmann zur ICE-Trassenplanung durch den Landkreis einverstanden.

„Ein Schulterschluss von Land, Landkreis und den gegebenenfalls betroffenen Schaumburger Kommunen und das klare Bekenntnis des Ministers zum trassennahen Ausbau des Streckenabschnitts Wunstorf–Minden kann nur begrüßt werden“, so der Bürgermeister.

Gleichwohl ist in dem Gespräch nach seiner Einschätzung auch deutlich geworden, dass das Land Niedersachsen seinen Einfluss auf die finale Trassenführung letztlich als begrenzt ansehe. Insoweit habe Althusmann die Entscheidungszuständigkeit von Bundesregierung und Bahn ziemlich klar herausgestellt. Das von Bundesseite und auch in der gestrigen Gesprächsrunde angekündigte ergebnisoffene Dialogverfahren müsse zwangsläufig unter dem mindestens genauso oft genannten Erfordernis einer Geschwindigkeit von 300 km/h für den Deutschland-Takt in der Region betrachtet werden.

„Nur wenn wir es gemeinsam schaffen, bei Bund und Bahn die Bereitschaft zu wecken, über eine Modifizierung des Deutschland-Takts verbunden mit der Absenkung erforderlicher Maximalgeschwindigkeiten ernsthaft nachzudenken, hat die von uns klar präferierte Ausbauvariante eine realistische Chance“, so der Bürgermeister weiter.

Diese Bereitschaft ist für ihn auf Bundesebene bislang absolut nicht erkennbar. Der kürzlich vom Bundesverkehrsminister vorgestellte Masterplan Schienenverkehr ziele bislang auf eine rigorose Umsetzung des Deutschland-Takts ab. Insofern spräche die Wortwahl Bände.

„Während früher von Ausbau/Neubau die Rede war, steht jetzt unmissverständlich und ausschließlich ein Neubau der Strecke Bielefeld–Seelze auf der Agenda des Bundesverkehrsministers. Das kann im Auetal nur Angst erzeugen!“, so Kraschewski, der ausdrücklich dem Landtagsabgeordneten Karsten Becker (SPD) für die Vermittlung des Gesprächs dankte.

Noch skeptischer als Kraschewski sah der Vorsitzende BI Auetal, Hendrik Steg, das Ergebnis der Gesprächsrunde an der er teilgenommen hatte.

„Das Gespräch in großer Runde im Kreishaus Stadthagen war ernüchternd. Der Ministers überraschte die Anwesenden bereits mit seinem Intro, dass die Fahrzeit von 50 Minuten Bielefeld–Hannover ja schon fast Deutschlandtakt sei“, so Steg. „Aber nur fast. Denn es wären zwei Züge pro Stunde und Richtung erforderlich. Und er wäre für den Ausbau der Bestandsstrecke.“

Für den seien ja alle, auch die anwesenden Vertreter der BIs. „Es zeigte sich hier und im Folgenden ein recht übersichtlicher Kenntnisstand des Ministers, denn der ominöse Deutschlandtakt mit zwei Zügen pro Stunde = 30 Minuten Fahrzeit pro Zug ist auf der Bestandsstrecke auch nach deren Ausbau niemals zu realisieren“, so Steg. Ebenso wenig habe der Minister Kenntnis von bestehenden Konzeptstudien für die Fahrzeit- und Kostenermittlung Hamm–Bielefeld–Hannover. Diese Studien des Bundesverkehrsministeriums seien der Öffentlichkeit bisher nicht zugänglich. „Sie beruhen, was sonst, auf konkreten möglichen Trassenverläufen und sind daher gerade für Schaumburg von höchstem Interesse. Heißt es doch bisher immer, es gäbe noch keine Trassenplanungen. Der Hinweis des Ministers, er halte uns keine Informationen vor, ist hier bedenklich“, meint Steg.

Dass im Schienenwegeausbaugesetz 2016 keine 300-km/h-Strecke vorgesehen sei, und es hierüber bisher auch keine parlamentarischen Beschlüsse gebe, mache dem Minister keine Sorgen. „Er hält Tempo 300 für erforderlich und richtig, und das auch ohne politische Beteiligung des Landes“, stellte Steg fest.

Abschließend erfolgte angesichts der Fragen der BI Auetal noch sein Hinweis, er dächte, im Saal seien nur Befürworter des Ausbaus der Infrastruktur, „was im Kontext schon eine Unverschämtheit ist“, wie Steg feststellte.

Sein ernüchterndes Fazit: die Bahn kommt, und zwar mit 300 km/h, also als Neubaustrecke, und damit durchs Auetal als einziger Möglichkeit.



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