Enttäuschung für Schaumburg: Bahnstrecke ist „prioritäres Großvorhaben“



Dritter Schienengipfel: Verkehrsministerium will weiter 300 Stundenkilometer zwischen Hannover und Bielefeld

Enttäuschung für Schaumburg: Bahnstrecke ist „prioritäres Großvorhaben“

RINTELN/AUETAL. Das Bundesverkehrsministerium strebt weiterhin eine Verbindung der Städte Hannover und Bielefeld durch eine Hochgeschwindigkeitsstrecke der Bahn für 300 Stundenkilometer an. Die im Rahmen des am Dienstagmittag stattgefunden dritten Schienengipfels veröffentlichten Unterlagen nennen das Projekt ABS/NBS Hannover – Bielefeld (– Hamm) als eines von zwölf „prioritären Großvorhaben des Zukunftsbündnisses Schiene“ und als „besonders dringlich zur Realisierung des Deutschlandtakts und zur Beseitigung von Engpässen mit netzweiter Wirkung“.

Quelle Johannes Pietsch SZLZ.de vom 30.06.2020

Aus den Netzgrafiken des dritten, offiziell nun endgültigen Zielfahrplans für den Deutschland-Takt ist das Ziel einer Fahrzeit von 31 Minuten zwischen Hannover und Bielefeld zu entnehmen.

Dazu müssen die Züge in der Spitze 300 Stundenkilometer schnell fahren. Damit haben sich die für die heimische Region ausschlaggebenden Rahmenparameter für den Bahnausbau oder Neubau gegenüber den beiden vorangegangenen Fahrplan-Entwürfen nicht geändert. Konkrete Trassenverläufe nennen die neuen Dokumente des Ministeriums zur Enttäuschung heimischer Politiker wiederum nicht.

Bahn-Fachleute wie der ehemalige Verkehrs-Staatssekretär Lothar Ibrügger oder der Pressesprecher der Initiative Deutschland-Takt Rainer Engel gehen aber bereits seit dem Spätherbst 2018 davon aus, dass nur sehr wenige Routen in der Lage sind, die Anforderungen für derart hohe Streckengeschwindigkeiten zu erfüllen.

Als eine mögliche Route wurde und wird dabei immer wieder ein Verlauf an oder nahe der Autobahn A2 durch das Autetal genannt. In den vergangenen Wochen wurde darüber spekuliert, diese Neubaustrecke könnte statt bis Bielefeld nur bis nach Bad Oeynhausen führen. Laut Rainer Engel wäre ein solcher Verlauf, obwohl fünf Minuten langsamer, insgesamt mit den Anforderungen des Deutschland-Takts noch vereinbar. Dem gegenüber räumt der Detmolder Bahn-Experte der 2016 im ersten Referentenentwurf vorgeschlagenen Neubaustrecke mit Tunnel durch den Jakobsberg kaum noch eine Chance ein.

Keine konkreteren Informationen als bislang ergab der Schienengipfel auch zur weiteren Terminschiene der einzelnen Großprojekte. Ferlemann hatte in der Vergangenheit mehrmals angekündigt, die DB Netz AG werde als Vorhabenträger nach der Veröffentlichung des dritten endgültigen Zielfahrplans zeitnah mit der konkreten Planung der Neubaustrecke Hannover-Bielefeld beginnen und dabei alle in Betracht kommenden Trassenvarianten überprüfen.

Im Abschlussbericht der Arbeitsgruppen des Zukunftsbündnisses Schiene wird nun gefordert, die prioritären Großvorhaben sollten nach Möglichkeit „deutlich vor 2030 im Bau sein und zügig umgesetzt werden“. Offene Fragen gibt es scheinbar noch zu den Kosten der Projekte. Als „noch umzusetzende Themen“ nennt der Abschlussbericht die vollständige Finanzierung der prioritären Großprojekte. Dazu müssen, so die Forderung des Abschlussberichts, für die laufenden Vorhaben des Bedarfsplans sowie die insgesamt zwölf prioritären Großvorhaben die Mittel des Bedarfsplans Schiene bis zum Jahr 2028 kontinuierlich ansteigen bis auf einen Zielwert von mindestens 3 Milliarden Euro pro Jahr.



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