Bahn: Zielfahrplan kommt erst im Sommer


Erst im Sommer Klarheit, wie schnell Züge zwischen Hannover und Bielefeld für Deutschland-Takt fahren sollen

Bahn: Zielfahrplan kommt erst im Sommer

RINTELN/LANDKREIS. Bürger, Politiker und vor allem die Mitglieder der heimischen Bürgerinitiativen müssen sich noch einmal in Geduld üben: Nicht im Frühjahr, sondern nach jetzigem Stand erst im Sommer dieses Jahres will das Bundesverkehrsministerium die Finalfassung des Zielfahrplans 2030plus veröffentlichen und damit auch die Anforderungen an den Ausbau der Bahnstrecke Hannover-Bielefeld. Das ergab eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen. Ein Planungsauftrag an die DB Netz AG kann damit also frühestens im Herbst erfolgen.

Der Zielfahrplan 2030plus ist deshalb so bedeutsam, weil aus ihm hervorgeht, wie schnell zukünftig Fernzüge zwischen Hannover und Bielefeld verkehren sollen. Daraus lässt sich dann prinzipiell ableiten, in welchem Umfang Aus- und Neubaumaßnahmen der Bahn erforderlich werden.

Ursprünglich hatte dessen endgültige Fassung bereits im Spätsommer des vergangenen Jahres vorliegen sollen. Der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann hatte bei der Eröffnung des Regioports am 1. Juli vom „zweiten Halbjahr 2019“ gesprochen. Im Oktober wurde der endgültige Zielfahrplan 2030plus dann für das erste Quartal 2020 angekündigt.

In den ersten beiden Entwürfen vom Oktober 2018 und Mai 2019 war stets von 17 Minuten die Rede, die zwischen Hannover und Bielefeld eingespart werden müssten. Fernzüge sollten, so das im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erstellte Konzept, die Strecke in weniger als 30 Minuten zurücklegen und damit die Fahrzeit von Berlin nach Köln auf unter vier Stunden drücken.

Ob dies jedoch auch in der endgültigen Fassung des Zielfahrplans noch so steht, darauf werden die Einwohner der betroffenen Region jetzt noch länger warten müssen. In einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zur Umsetzung des Bedarfsplans Schiene heißt es, der finale Gutachterentwurf des Zielfahrplans werde „einschließlich einer Infrastrukturliste“ erst im Sommer vorgelegt. Anschließend erfolge „die wirtschaftliche Bewertung der Infrastrukturmaßnahmen nach der geltenden Bundesverkehrswegeplan-Methodik“.

Auch Staatssekretär Ferlemann hatte kurz vor Ostern in einem Schreiben an Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) Auetal noch von einer Fahrzeit von unter 30 Minuten zwischen Hannover und Bielefeld gesprochen. Zugleich hatte er einen oberirdischen Verlauf durch das Auetal als unwahrscheinlich erachtet und eine autobahnnahe Tunnellösung ins Spiel gebracht.

Dafür erntete der Bahnbeauftragte der Bundesregierung von gleich mehreren Seiten Kritik: „Wie glaubt das BMVI ein Projekt dieser herausragenden Größenordnung für das künftige Schienenwegenetz des Bundes auch nur annähernd der Öffentlichkeit vorstellen zu können, wenn man bisher jegliche Plausibilitätsprüfung auf Umweltverträglichkeit, Kostenwahrheit, Planungs- und Bauzeiten sowie das für den Hochgeschwindigkeitsverkehr zusätzlich erforderliche rollende Material unterlassen hat?“, fragte der ehemalige Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Lothar Ibrügger, als Reaktion auf den Brief. Er gilt als Kritiker der Neubauplanung.

Aber auch Rainer Engel, Pressesprecher der Initiative Deutschland-Takt und erklärter Befürworter einer Neubaustrecke Hannover-Bielefeld, kann dem Ferlemann-Schreiben nicht allzu viel abgewinnen: Es sei Sache der Deutschen Bahn AG, eine Trasse vorzuschlagen und diese sowie von der Öffentlichkeit eingebrachte Alternativen zu diskutieren und zu bewerten, so Engel. „Wenn sich Herr Ferlemann nun zum wiederholten Male zu bestimmten Trassen äußert und insbesondere dazu, welche Trassen nicht in Betracht kommen, so greift er damit der gesetzlich vorgeschriebenen Öffentlichkeitsbeteiligung vor und entwertet diese.“

Quelle Schaumburger Zeitung – Landeszeitung 11.05.2020

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