Lärmschutz an Bahnstrecken soll auf 2000 Kilometern ausgebaut werden


Lärmschutz an Bahnstrecken soll auf 2000 Kilometern ausgebaut werden

  • Bis Ende 2020 will die Deutsche Bahn auf rund 2000 Kilometern Lärmschutz erweitern.
  • Das ist mehr als im Lauf die letzten 20 Jahre.
  • Zu Beginn der Maßnahmen stehen das Mittelrheintal in Hessen und Rheinland-Pfalz sowie das Elbtal in Sachsen.

Berlin. Die Bahn will in diesem Jahr den Lärmschutz an weiteren stark belasteten Strecken ausbauen. Bis Jahresende sollen insgesamt 2000 Kilometer lärmsaniert sein, wie aus dem aktuellen Lärmschutzbericht des Konzerns hervorgeht. Das bedeutet, dass dort Lärmschutzwände aufgestellt werden oder die Häuser an der Strecke Schallschutzfenster erhalten. Bislang wurden seit 1999 insgesamt rund 1840 Kilometer saniert.

„Je leiser die Züge unterwegs sind, desto mehr Akzeptanz findet die Bahn als klimafreundliches Verkehrsmittel“, sagte der Lärmschutzbeauftragte Andreas Gehlhaar. 108 Projekte seien in der Umsetzung, 65 davon würden dieses Jahr abgeschlossen.

Zuerst Sanierungen im Mittelrheintal und Elbtal

Allerdings wird es beim jetzigen Tempo noch viele Jahre dauern, bis alle Anwohner vor Bahnlärm geschützt sind: Der Bund geht davon aus, dass rund 6500 Kilometer und damit etwa ein Fünftel des Netzes besonders lärmbelastet ist. Mehr als 2200 Gemeinden sind betroffen. Dort ist es für die Anwohner in Wohngebieten nachts lauter als 57 Dezibel, was in etwa der Lautstärke eines Gesprächs entspricht.

Zuerst wird saniert, wo es besonders laut ist und wo besonders viele Anwohner betroffen sind. Dazu zählen etwa das Mittelrheintal in Hessen und Rheinland-Pfalz sowie das Elbtal in Sachsen.

Mehr als 60.000 Haushalte an den besonders lärmbelasteten Strecken haben in den vergangenen 20 Jahren Schallschutzfenster eingebaut. Sie bekommen drei Viertel der Kosten erstattet.

Geld für Maßnahmen nicht ausgeschöpft

Im vergangenen Jahr hatte der Bund mehr Geld für den Schutz vor Bahnlärm bereit gestellt. Von den 176 Millionen Euro wurden aber nur 149 Millionen abgerufen, wie die Bundesregierung zu Jahresbeginn auf eine Anfrage der Linken im Bundestag antwortete. Zwar wurde das Geld ausgegeben, das für Schutzwände und Fenster vorgesehen war, dennoch floss insgesamt weniger Geld ab. Vor allem weil die Güterwagenbetreiber finanzielle Anreize für den Einsatz leiserer Wagen nicht ausschöpften und weil sich Bauvorhaben der Bahn verzögerten, wie die Regierung erklärte.

Baupreise um bis zu 70 Prozent gestiegen

Für dieses Jahr stellt die Bundesregierung nur 139 Millionen Euro bereit. Ansonsten soll die Bahn Ausgabereste nutzen, die sich nun auf 114 Millionen Euro summieren. Es laufen demnach Gespräche des Bundes mit der Bahn über einen “Hochlauf” bei der Lärmsanierung.

Inzwischen sind die Vorhaben aber teuer geworden, wie aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine aktuelle Anfrage der Grünen im Bundestag hervorgeht. Von 2016 bis 2019 sind die Baupreise für Lärmsanierungsprojekte demnach um bis zu 70 Prozent gestiegen.

Bahn will Lautstärke halbieren

„In 2020 und den nächsten Jahren wird ein vollständiger Abruf erwartet, da aufgrund des Planungsvorrats bei der DB Netz AG ein deutlich über der aktuellen Finanzplanung liegender Mittelbedarf für die Lärmsanierung besteht“, schreibt das Ministerium.

Zunächst ist das Ziel, dass der Schienenlärm für die Anwohner am Jahresende nur noch halb so groß ist wie vor 20 Jahren. Dafür soll der Lärm im Mittel um zehn Dezibel sinken. Das entspreche in der menschlichen Wahrnehmung einer Halbierung der Lautstärke, erklärte die Bahn.

Zu laute Wagen ab Dezember verboten

Dazu beitragen soll auch, dass Güterwagen lärmmindernde Bremsen erhalten. 87 Prozent der 183.000 Wagen auf dem deutschen Netz haben inzwischen Bremssohlen, die das Rad weniger aufrauen und so Lärm mindern. Das geht aus der Ministeriumsantwort an die Grünen hervor.

Laute Wagen sind ab dem Fahrplanwechsel im Dezember nicht mehr erlaubt – es sei denn, sie fahren deutlich langsamer. Das senkt ebenfalls den Lärm. Nach Auskunft des Ministeriums gibt es aber noch einen Dissens mit der EU-Kommission über die Notifizierung des Gesetzes.

Quelle Redaktionsnetzwerk Deutschland 29.04.2020

 43 total views,  1 views today

Schreibe einen Kommentar