Regionalbahnhof für das Auetal


Maik Beermann: „Sie müssen Forderungen stellen!“ / BI-Vorsitzender: „Das ist eine Nebelkerze 4.0“

Regionalbahnhof für das Auetal

Ist ein Regionalbahnhof für das Auetal – eine Vision, eine realistische Forderung oder eine Nebelkerze 4.0 vom CDU-Bundestagsabgeodneten Maik Beermann, wie es Hendrik Steg von der BI Auetal nennt?

BERNSEN. Mit 80 Besuchern ist das Dorfgemeinschaftshaus in Bernsen am Donnerstagabend zwar gut gefüllt gewesen, aber von großem Interesse an der Versammlung der Bürgerinitiative Auetal (BI) kann man nicht reden. Dabei wurde es ein interessanter Abend mit vielen Visionen und Diskussionen.

Zu Gast war der CDU-Bundestagsabgeordnete Maik Beermann, der zunächst klarstellte, dass er sich von Beginn an klar für den Ausbau der bestehenden Bahntrasse ausgesprochen habe. „Diesen Standpunkt habe ich nie verändert“, so Beermann. Auch habe er sich gegen das Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetz ausgesprochen, auch wenn er – durch Verzögerungen im Plenum – an der Abstimmung direkt nicht hatte teilnehmen können.

„Ich habe dazu eine Erklärung abgegeben, aber ganz ehrlich, die Abstimmung war eindeutig und im Bundestag entscheiden, wie eben in der Demokratie üblich, Mehrheiten“, so Beermann. Noch sei aber nichts in den Brunnen gefallen . Es gebe noch Klagemöglichkeiten. „Allerdings glaube ich nicht, dass jemand klagt“, so Beermann. Auch für die Unterschriften- und Briefeaktion der Aktionisten der BI an den Bundespräsidenten sah der CDU-Politiker wenig Erfolg. „In der Zeit des Bestehens der Bundesrepublik hat ein Bundespräsident nur neun Mal ein Gesetz nicht unterschrieben und wir verabschieden jedes Jahr im Bundestag weit über 500 Gesetze“, erläuterte Beermann.

Trotzdem solle man nichts unversucht lassen. Das MgvG sei nur ein Vorbereitungsgesetz. „Im Frühsommer soll das Bürgerdialogverfahren beginnen und darauf müssen Sie sich bitte gut vorbereiten“, forderte Beermann von der BI und den Auetalern.

Das sei die beste Möglichkeit, noch an der Stellschraube zu drehen. Beermann nannte die Alpha-E-Variante, die aus der geplanten Y-Trasse geworden ist, weil sich Bürger für mehr Anbindung im „Hinterland“ eingesetzt hatten.

„Außerdem müssen Ihre Forderungen nicht nur gegen den Neubau ausgerichtet sein, sondern für den Ausbau der Bestandsstrecke“, so Beermann. Und wenn man dann den Neubau doch nicht verhindern könne, dann müsse man etwas in der Pipeline haben und im Bürgerdialog das Beste für das Auetal herausholen.

„Wenn wir in diesen sauren Apfel beißen müssen, dann wollen wir einen ICE-Halt im Auetal haben“, stellte Beermann eine Forderung vor und erntete dafür einige Lacher. „Im Auetal wird jetzt kein ICE halten, verstehen Sie mich nicht falsch. Aber zum Beispiel in Montabaur ist es gelungen einen ICE-Halt zu bekommen. Das hat für Montabaur relativ viel gebracht.“

Viele hätten ihm gesagt, dass Politiker die Visionen haben in die Psychiatrie gehen müssten, „aber wenn man keine Visionen hat … gerade als BI oder Interessenvertretung der Bürger im Auetal, warum denn nicht, warum fordert man nicht einen Regionalbahnhof für das Auetal? Warum versucht man denn nicht, hier eine bessere Verkettung hinzubekommen, wenn die Möglichkeit bestände“, warf Beermann in den Raum.

Alle Möglichkeiten sollten gut durchdacht werden. „Sie müssen über die kuriosesten Sachen nachdenken. Fordern kann man erst mal. Am Ende wird man irgendetwas bekommen“, so Beermann.

Auch der Ausbau insgesamt sei diskutabel. „Für den Deutschlandtakt muss nicht durchgehend von Hamm über Bielefeld nach Hannover 300 km/h gefahren werden“, stellte der Bundestagsabgeordnete fest.

Schließlich wollte Beermann auch eine Lanze für die Menschen brechen, die gegen den Ausbau an der Bestandsstrecke sind. „Auch die melden sich bei mir und fordern meine Unterstützung“, so Beermann.

Bislang seien die Brücken, zweigleisig ausgelegt. Für den Ausbau müssten sie abgerissen und neu, breiter gebaut werden.

„Ich versuche zu vermitteln und auch dort die Sorgen und Ängste ernst zu nehmen“, Beermann, der dann noch einmal ganz deutlich machte, dass auch er bislang noch keine Pläne für eventuelle Streckenverläufe kenne.

Helmut Meier aus Hattendorf beschrieb, anhand einer Karte, auf der die eventuell geplante Trasse eingezeichnet war, wo er sich den Verlauf vorstellt und was dagegen spricht und fragte, ob es denn nun inzwischen Pläne gebe.

„Wenn ich irgendetwas in der Hand hätte, dann würde ich es Ihnen zeigen. Und ich habe vor diesem Termin beim persönlichen Referenten des Staatssekretärs Ferlemann angerufen und gefragt, ob es etwas Neues gibt. Aber es gibt nichts. Das muss ich glauben. Alle Varianten werden geprüft. Es gibt keine Fakten, die eine Trasse favorisieren – es gibt keine“, so Beermann.

Lars Büttner aus Bernsen fragte schließlich, ob der Bürgerdialog ein ehrlicher Prozess sei oder ob den Bürgern doch alles so „aufgedrückt“ werde, wie es Berlin plant.

„Ja, davon bin ich überzeugt und das hat die genannte Wandlung der Y- zur Alpha-E-Trasse ja auch gezeigt“, sagte Beermann.

Der Bundestagsabgeordnete warb noch dafür, ihn anzurufen oder eine Mail zu schreiben, wenn es Frage gebe oder Unklarheiten. Er sei immer ansprechbar und wolle vermitteln.

Weiter ging es mit Rolf Wittmann, der für den Auetaler Naturschutzbund über das Landschaftsschutzgebiet informierte, das erweitert und zu einem Naturschutzgebiet umgewandelt werden soll. „Auch so kann die Bahntrasse durch das Auetal verhindert werden“, meinte Wittmann. Man müsse diese Erweiterung schnell umsetzen.

Dem widersprach allerdings Bürgermeister Heinz Kraschewski: „Das ist eine Verhinderungsplanung und die wird es nicht geben.“

Der Vorsitzende der BI Auetal, Hendrik Steg, meinte allerdings, dass der Naturschutz den Bau aufhalten könne. Wo Schwarzstorch, Gelbbauchunke und der Eisvogel ihr Zuhause hätten, könne man einen Aufschub und damit Zeit gewinnen.

Den von Beermann ins Gespräch gebrachten Bahnhof für das Auetal hielt Steg dagegen für völlig unrealistisch. „Das ist eine Nebelkerze 4.0 von Maik Beermann“, so Steg gegenüber dieser Zeitung. In Montabaur habe es schon immer Gleise und einen Bahnhof gegeben. Das könne man nicht vergleichen. „Hier wird den Bürgern eine Hoffnung in die Köpfe gepflanzt, die völliger Quatsch ist“, ärgerte sich Steg.

Schließlich stellten sich noch die Aktionisten der BI und des Zusammenschlusses „Auetal in Not“ vor und präsentierten Einblicke in ihre Arbeit. Infostände, Unterschriftenaktionen, Banner, Briefe und Bücher, die an Politiker verschickt werden, eine Online-Petition, ein Malwettbewerb, das Protestlied und vieles mehr konnte aufgezählt werden. Ganz neu sind Stofftaschen und Tassen mit dem Aufdruck „Keine ICE-Trasse durchs Auetal“, die Beermann als Geschenk von der jetzt 550 Mitglieder starken BI Auetal erhielt.

Autor Kerstin Lange Schaumburger Zeitung 28.02.2020

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