Bahn-Ausbau: Hat BIGTAB-Vorsitzender aufgegeben?


RINTELN. „Wenn eine Hochgeschwindigkeitstrasse durch das Schaumburger Land gebaut wird, dann geht das alle in der Region an“, stellte Dr. Bernhard Knierim, Verkehrsexperte der Partie „Die Linke“ am Donnerstagabend im Hotel Stadt Kassel fest. Viele Rintelner hat das scheinbar nicht interessiert, denn es waren nur knapp 40 Zuhörer gekommen, darunter eine Handvoll Rintelner. BIGTAB-Vorsitzender Thomas Rippke wartete mit einer überraschend fatalistischen Aussage auf, und wurde dafür vor Ort heftig kritisiert.

„Ich vermisse nicht nur die Bürger, sondern auch weitere Ratsmitglieder“, stellte Dr. Gert-Armin Neuhäuser fest, der als Gast dabei war. „Vielleicht liegt das aber an der Partei, die heute eingeladen hat.“

Trassenausbau oder Neubau war die Frage, die die „Linken-Kreisverbände Schaumburg und Hameln-Pyrmont“ näher beleuchten wollten. Die Kreisverbandsvorsitzenden Metin Duygu und Felix Mönkemeyer hatten dazu, neben Knierim noch den Direktor der Stadt Rinteln, Dr. Joachim Steinbeck, den Vorsitzenden der BIGTAB (Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau der Bahn in Bückeburg/Minden/Porta Westfalica), Thomas Rippke und den Vorsitzenden der BI-Auetal, Hendrik Steg zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.

Mit vielen interessanten Zahlen, Daten und Fakten zu Hochgeschwindigkeitstrassen, Deutschlandtakt und Fahrplänen konnte Knierim aufwarten und diese auch verständlich erläutern.

„Der Deutschlandtakt ist zu begrüßen, aber er ist jetzt das Einfallstor für Höchstgeschwindigkeitsstrecken und das darf nicht sein“, so Knierim, selbst passionierter Bahnfahrer.

Duygu sprach Steinbeck auf die Aussage von Rintelns Bürgermeister Thomas Priemer an, der vor einigen Wochen festgestellt hatte, dass für die Region nur eine Tunnellösung möglich sei: „Ist das noch so?“

„Aufgrund der Steigungen und dem Güterverkehr, der auf die Trasse soll, ist nur eine Tunnellösung möglich. Dazu gibt es bislang keine weiteren Erkenntnisse. Ein Tassenneubau ist keine Option“, so Steinbeck.

Während Steg von der BI Auetal vor gigantischem Lärm durch nächtlichen Güterverkehr warnte und das Projekt einen „Beton-Gigantomanen“ nannte, gegen den man alles menschenmögliche unternehmen müsse, überraschte Rippke die Anwesenden mit der Aussage: „Die Neubautrasse kommt sowieso. Wir können nur noch mitgestalten und das sollten wir tun.“

„Wenn Sie so denken, dann sind Sie hier wohl falsch und auch an Ihrer Position“, stellte Silvia Baer aus dem Auetal dazu fest. Zwar sei das Auetal ähnlich einem gallischen Dorf, „aber die Gallier haben sich sehr lange gegen Rom wehren können“. Man benötige eine kämpferische Einstellung gegen die geplante Neubautrasse, kein Nachgeben.

„Wenn das so ist, dann sollten wir jetzt unser Wasser austrinken und nach Hause gehen“, meinte Neuhäuser zur Rippkes Aussage. „Diese Veranstaltung ist sinnfern, wenn wir über Doppelfenster für Todenmann sprechen. Unser einziges Ziel muss derzeit sein, das Maßnahmegesetzvorbereitungsgesetz zu verhindern, denn damit würden jegliche Umweltrecht der EU ausgehebelt“, warnte Neuhäuser.

Dem stimmt auch Knierim zu: „Wenn das Gesetz beschlossen wird, wird es sofort auf diese geplante Strecke angewandt und es gibt keine Möglichkeit mehr, dagegen zu klagen – weder von Verbänden wie dem BUND oder dem NABU, noch von Bürgern“, stelle Knierim klar.

Andrea Riemhoff aus Todenmann stellte noch fest: „Ich bin selbst betroffen wenn die Neubautrasse kommt.“ Sie habe das Gefühl, dass der Rintelner Rat das Thema aussitze, ebenso wie die Bürger selbst. „Die Rintelner schrecken erst auf, wenn der ICE dirket durch ihre Schlafzimmer rollt“, so Riemhoff. „Man muss aber jetzt etwas dagegen tun.“

Die BI-Auetal lädt am Samstag, 18. Januar, zu einer Demonstration gegen das Maßnahmegesetzvorbereitungsgesetz ein. Treffpunkt ist um 10.45 Uhr auf dem Parkplatz der Firma Tünnermann, Niedere Heide 5, im Rehrener Gewerbegebiet. Ein Umzug zum Rathaus mit Kundgebung dort ist geplant. Weitere Infos unter www.bi-auetal.de.

Autor Kerstin Lange Schaumburger Zeitung/Landes-Zeitung 10.01.2020

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