„Das Monster verhindern“


Sorge vor Bahntrasse in Eilsen / Großer Andrang bei Infoveranstaltung / Pferd erschreckt Gäste

„Das Monster verhindern“

BUCHHOLZ. Die Sorge vor einer ICE-Neubautrasse wächst auch in der Samtgemeinde Eilsen. Der Bau einer derartigen Strecke entlang der Autobahn 2 würde vor allem Buchholz betreffen. Aber auch auf Luhden, Heeßen und Bad Eilsen könnte die Bahnlinie Auswirkungen haben, meint Hendrik Steg, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) Auetal. Auf Einladung der Wählergemeinschaft in Buchholz (WiB) stellte Steg gemeinsam mit Mitstreiter Benjamin Weiser seine Sichtweise zu der Trasse vor. Bürgermeister Hartmut Krause (WiB) und Frank Puderbach, Vorsitzender der WiB, waren vom Interesse der Eilsener überwältigt.

Autor Leonhard Behmann Schaumburger Zeitung 27.09.2019

Zu Beginn der Informationsveranstaltungen mussten zusätzliche Bänke im Schützenhaus aufgebaut werden. „Es war jeder siebte Bürger aus Buchholz da“, zeigt sich Krause zufrieden. Es seien aber auch viele Einwohner aus Heeßen, Luhden und Bad Eilsen gekommen.

Landrat Jörg Farr (SPD) machte einmal mehr klar, dass er sich persönlich für einen trassennahen Ausbau einsetzt. „Das die Bahntrasse auch durch Teile der Samtgemeinde Eilsen verlaufen wird, ist eine reale Situation – auch wenn wir im Moment noch nicht wissen, wo genau die Trasse am Ende lang geht“, sagte Farr. Der Landrat kritisierte das Verhalten von Staatssekretär Enak Ferlemann, der mehrere Möglichkeiten für den Verlauf der Bahntrasse durch Schaumburg genannt hatte, als „unmöglich“. „Die Auswirkungen der Bahntrasse sieht man erst, wenn sie gebaut ist, aber die Wirkung setzt schon viel früher ein“, erklärt Jörg Farr. Viele Bürger und Gewerbetreibenden seien verunsichert und würden sich jetzt überlegen, ob sie ihre Gebäude bauen oder sanieren. Kommunen würden sich überlegen, ob sie bestimmte Baugebiete überhaupt noch ausweisen. „Das ist investitionsfeindlich und entwicklungshemmend“, meint der Landrat. Es sei ein Irrglauben, dass die Bahntrasse etwas für die Region bringt. „Neulich hat mir jemand erzählt, wir sollten dafür kämpfen, dass es einen ICE-Halt im Auetal gibt – das ist eine völlige Illusion, wir sprechen hier von einer reinen Transitstrecke“, erzählte Farr.

Hendrik Steg machte deutlich, dass es wichtig sei, sich in der Bürgerinitiative zu engagieren: „Wenn wir auch den Bürgerdialog warten, ist es zu spät. Dann steht die Planung, und wir können uns noch über die Höhe der Lämschutzwände unterhalten.“ Noch könne man etwas bewegen. Den Buchholzern riet Steg, Arbeitsgruppen zu bilden und selbst Protestaktionen zu organisieren. „Gemeinsam sind wir stark und können das Monster verhindern“, sagte der Vorsitzende der BI Auetal.

Nick Büscher, Vorsitzender des Nabu Rinteln macht sich Sorgen um die Umwelt. Wenn die Bahntrasse durch das Auetal an Buchholz vorbei führen würde, habe das große Auswirkungen auf die Bückeburger Aue. „Das wäre eine Katastrophe. Jahrzehntelange Arbeit, die wir in die Renaturierung gesteckt haben, wäre dann umsonst gewesen“, sagt der Buchholzer im Gespräch mit unserer Zeitung. „Für den Bau der Trasse müsste die Aue wohl trockengelegt oder verrohrt werden. Dort, wo jetzt die Aue fließt, ständen dann Gründungsbauwerke“, sagt Büscher. Das hätte auch Auswirkungen auf die dort lebende Gelbbauchunke und den Schwarzstorch. „Wir als Nabu suchen jetzt den Schulterschluss mit der BI Auetal“, erklärte Büscher.

Für große Aufregung sorgte bei den Besuchern im Schützenhaus ein Pferd, das plötzlich in den Vorraum des Gebäudes gelaufen kam. Bänke fielen um, Besucher bekamen Panik. Nach Angaben von Bürgermeister Hartmut Krause sei es unklar, ob das Pferd der Halterin ausgebüxt gewesen war oder ob sie es in das Schützenhaus geführt hat, um es den Gästen der Informationsveranstaltung zu zeigen. Sie plant, das Pferd für eine Protestaktion gegen die Trasse mit Farbe bemalen zu lassen, heiß es.

„Wenn das Tier im vollen Saal durchgegangen wäre, hätte es Verletzte und Tote gegeben“, ist sich Bürgermeister Krause sicher.

„Ich distanziere mich klar von dem Vorfall. Das war keine Aktion der BI“, machte Steg deutlich.

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