„Auetal wird nicht zerschnitten“


Bahntrasse: Bürgermeister sieht positive Tendenzen – BI-Vorsitzender eher skeptisch

„Auetal wird nicht zerschnitten“

Nachdem Bürgermeister Heinz Kraschewski in Berlin war (wir berichteten), hat er jetzt in einem Gespräch mit dieser Zeitung seine persönlichen Einschätzungen der Planungen erläutert. Der BI-Vorsitzende, Hendrik Steg, sieht da vieles völlig anders.

Autor Kerstin Lange Schaumburger Zeitung 16.10.2019

AUETAL. Entscheidungen zum geplanten Schnellbahntrassenbau haben Landrat Jörg Farr sowie Bürgermeister Heinz Kraschewski und seine Schaumburger Kollegen nicht mit aus Berlin mitgebracht, aber doch einige neue Erkenntnisse.

„Eine Tendenz ist für uns Auetaler wichtig, nämlich die, dass die oberirdische Streckenführung entlang der A 2 vom Tisch ist und das ist gut, denn das bedeutet, dass das Auetal nicht zerschnitten wird“, stellte Bürgermeister Heinz Kraschewski in einem Gespräch mit dieser Zeitung fest.

Offiziell sollen die Planungen für die möglichen Varianten erst nach Festlegung der notwendigen Taktzeiten im Gesamtfahrplan des Deutschland-Takts beginnen. Aus dem Gespräch beim Parlamentarischen Staatssekretär Enak Ferlemann im Bundesverkehrsministerium sei jedoch deutlich geworden, dass die einzelnen möglichen Planungsvarianten bereits jetzt auf Bundes- und Landesebene zumindest diskutiert werden.

„Alles nicht so schlimm. Dann baut die Bahn halt einen Tunnel. Hendrik Steg Vorsitzender BI Auetal

„Das ist bei Betrachtung des zeitlichen Aspekts einer solchen Gesamtplanung aus meiner Sicht auch durchaus legitim“, so Kraschewski.

Positiv überrascht habe ihn, welche Detailkenntnisse auf Ministerialebene über die möglichen Streckenverläufe vorhanden sind.

„Die vielfach geäußerte Befürchtung, in Berlin würde ohne Rücksicht auf die Örtlichkeiten und topografischen Gegebenheiten über den Streckenverlauf entschieden, hat sich für mich nicht bestätigt“, so der Bürgermeister.

Vielmehr sei seitens der beteiligten Planer des Ferlemann-Teams tendenziell deutlich gemacht worden, dass es durchaus verschiedene Streckenalternativen gibt, die alle im Bürgerdialog- und später im Planfeststellungsverfahren zwingend zu untersuchen seien.

Für eine mögliche Streckenführung entlang der A 2 bedürfe es aus Sicht der Planer einer sehr großzügigen Tunnellösung.

„Die für das Auetal vielfach befürchtete oberirdische Trassenführung, mit einer Zerschneidung des Tals als Folge, ist vor dem Hintergrund der maximal zulässigen Steigung von 12,5 Promille absolut ungeeignet“, stellte Kraschewski fest. „Damit steht fest, dass eine oberirdische Streckenführung vom Tisch ist. Das Auetal wird nicht zerschnitten und das ist eine positive Tendenz.“

Das sieht der Vorsitzende der Bürgerinitiative Auetal (BI Auetal), Hendrik Steg anders: „Die Festlegung des Ministeriums auf 300 km/h Hochgeschwindigkeit steht. Ebenso die ,erforderliche‘ Tauglichkeit der Strecke für den nächtlichen lärmintensiven Güterverkehr. Ferner der sogenannte ,Deutschlandtakt‘, der eine maximale Fahrzeit von Bielefeld nach Hannover von 30 Minuten erzwingt.“

Das erfordere eine einfache Dreisatzaufgabe und deren Ergebnis sei der Weg durch das Auetal. Nicht entlang, also unmittelbar neben der Autobahn, denn in deren Verlauf seien die Höhenunterschiede viel zu groß. Der geplante Güterverkehr benötige ebene Strecken mit maximal 12,5 Metern Höhenunterschied auf je 1000 Metern Länge.

„Alles nicht so schlimm, dann baut die Bahn halt einen Tunnel durch das Auetal“, so Steg und fragt gleichzeitig: „Einen Tunnel durch das ganze Auetal? 13 Kilometer lang? Denn so lang ist das Tal von der Bernser Landwehr bis Wiersen. Oder doch nur Teile untertunneln? Und wo würden die Tunnel letztlich enden? Im Deister-Süntel-Tal. Und dann? Der nächste Tunnel durch den Deister? Wer soll das bezahlen?“

Allein schon der Blick auf die Topografie zeige, dass das gesamte Auetal, vom Wesergebirge auf der einen Seite, vom Bückeberg auf der anderen, begrenzt wird.

„Deren Hänge sind von zahlreichen tiefen Zuflüssen zur Bückeburger und Rodenberger Aue durchschnitten. Das Gestein besteht aus Muschelkalk, ist sehr porös und bildet zahlreiche, zum großen Teil noch unbekannte Hohlräume. Die Schillat-Höhle ist eine der wenigen bekannten“, so Steg.

Das werde keine leichte Aufgabe für Tunnelbauer und keine billige Lösung. Bei all diesen kostspieligen Besonderheiten dränge sich doch der Verdacht auf, dass hier nicht ganz mit offenen Karten gespielt werde.

„Topografisch ist die Lösung des Trassenverlaufs entlang der Aue, mitten durch unser Tal, die bei Weitem kostengünstigste. Kaum Höhenunterschiede, allein die Wasserscheide bei Escher müsste durchbrochen werden“, stellte Steg fest. „Wir werden daher fortfahren mit unserem Protest.“

Die Bürgerinitiative wolle Enak Ferlemann für ein Treffen im Frühjahr 2020 einladen.

„Dort müsste sich noch ein freier Termin in seinem Kalender finden lassen. Wir sind dann gespannt auf seine Ausführungen“, so der BI-Vorsitzende.

Hinweis: Am heutigen Donnerstag, 17. Oktober, findet um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Bernsen ein öffentliches Treffen der Bürgerinitiative Auetal statt. Bürgermeister Heinz Kraschewski wird dabei sein und weitere Details von seiner Berlin-Reise berichten.

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