„Wir brauchen einen langen Atem“


Verfahren wird einige Jahre dauern / Rund 150 Auetaler wollen Neues aus Berlin erfahren

„Wir brauchen einen langen Atem“

Es ist noch nichts entschieden in Sachen Schnellbahntrasse und daher müssen Landkreis, Gemeinde und BI weiter gut zusammenarbeiten und einen langen Atem haben. Außerdem ist Bahnfachwissen gefragt, wie Landrat Jörg Farr bei der jüngsten BI-Versammlung in Bernsen feststellte.

Autor Kerstin Lange Schaumburger Zeitung 18.10.2019

BERNSEN. Nach ihrem Besuch im Bundesverkehrsministerium in Berlin, beim parlamentarischen Staatssekretär Enak Ferlemann (wir berichteten), haben Bürgermeister Heinz Kraschewski und Landrat Jörg Farr am Donnerstagabend rund 150 Bürgern im Dorfgemeinschaftshaus in Bernsen Rede und Antwort gestanden. Die Bürgerinitiative (BI) Auetal hatte zu dem Termin eingeladen.

„Ich soll Grüße von Herrn Ferlemann ausrichten“, begann Kraschewski. „Sein Postbote wird in den nächsten Tagen nicht arbeitslos.“
Knapp 1000 Protest-Postkarten aus dem Auetal sind bereits bei Ferlemann eingetroffen.

Kraschewski machte noch einmal deutlich, dass es laut Ferlemann bis zu diesem Zeitpunkt absolut keine Vorfestlegung zur geplanten Schnellbahntrassen gebe. Die Tassenalternativen seien noch in der Entwicklung. Noch vor der Sommerpause 2020 solle aber das Bürgerdialogverfahren unter Leitung des Landes Niedersachsen als zuständige Raumordnungsbehörde aufgenommen werden. Ob dann die Tunnellösung oder irgendeine andere Variante bevorzugt werde, sei also völlig offen.

„Mein Optimismus ist zwar grundsätzlich vorhanden, aber ich bin keineswegs naiv. Jegliche Lösungsvarianten sind auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten“, stellte Kraschewski mit Blick auf die sogenannten Vorzeigeprojekte Ferlemanns fest. Darunter zum Beispiel die Bahntrasse Lübeck-Fehmarnbelt, die, wie der Bundesrechnungshof festgestellt hat, viermal teurer ist, als geplant.

„Da kommt natürlich Skepsis auf, wenn man kurz darüber sinniert wird, das Auetal zu untertunneln, ohne dabei die Kostenseite zu betrachten“, so Kraschewski.

Sein Fazit: „Man macht sich durchaus Gedanken – und zwar auch über das Auetal. Wir müssen wachsam bleiben. Die Arbeit der BI und in dem Zusammenhand schließe ich die Arbeit der Gemeinde und des Landkreises ausdrücklich mit ein, darf an dieser Stelle nicht enden. Die Messe ist noch nicht gesungen.“

Das sah Landrat Jörg Farr ebenso: „Es sind noch alle jemals genannten und nicht genannten Varianten möglich. Erst im Bürgerdialog werden diese diskutiert. Insgesamt wird das Verfahren einige Jahre dauern. Da benötigen wir einen langen Atem.“

Zum zeitlichen Ablauf stellte Farr fest, dass auf das Bürgerdialogverfahren ein Planfeststellungsverfahren folgt, um alle Planungen rechtlich einwandfrei zu machen und dann könne es noch ein Klageverfahren geben.

„Eine Abkürzung der Verfahren geht nicht“, so Farr. Man müsse sich aktiv und intensiv mit den vielen Varianten auseinandersetzen.

„Und was können wir jetzt tun?“, fragte Farr und gab die Antwort selbst. Die Bürgerinitiativen müssten weiterarbeiten, ebenso die Lenkungsgruppe, bestehend aus Vertretern des Landkreises, den Bürgermeistern und Vertretern der BI und Verbände.

„Der Landkreis horcht derzeit in andere Kreise, in denen es bereits Bürgerdialogverfahren gegeben hat, wir haben 100 000 Euro bereit gestellt, um uns Fachleute mit Bahnsachverstand und zur juristischen Beratung an die Seite zu holen“, erklärte Farr.

Noch einmal sprach der Landrat den notwendigen langen Atem an. „Wir müssen lautstark sagen was wir denken, aber wir müssen auch fachlich gut aufgestellt sein. Wir müssen aktiv und vorbereitet sein und wissen, dass wir Berlin nicht in Angst versetzen werden“, so Farr.

Es sei gut, dass die BIs und die Bürger so aktiv sind. „Das ist der Landkreis auch“, so Farr.

Im Anschluss wurden, in der Versammlung und auch danach in kleinen Gruppen, noch einige Fragen diskutiert.

Die Aufforderung eines Anwesenden, jetzt müssten alle Reichsbürger werden, schmetterte der Vorsitzende der BI Auetal, Hendrik Steg, schnell ab: „Wir arbeiten demokratisch zusammen.“

Die BI Auetal bleibt weiter aktiv. Derzeit wird ein Info-Flyer erstellt und eine neue „Aktivengruppe“ mit bislang acht Mitgliedern wurde gegründet. Die Aktiven werden Info-Stände und ähnliches organisieren. Außerdem ist für Ende November eine weitere Versammlung im östlichen Auetal geplant. Der Termin wird noch bekannt gegeben.

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